Presseberichte
Flüstern mit Pferd und Hund
02.07.2009, 14:36
erschienen in der TaunusZeitung
Sie flüstern mit
den Pferden, dem Hund und den Menschen - drei Tage haben 15 Schüler der
Adolf-Reichwein-Schule (ARS) mit den Schulseelsorgerinnen Andrea
Kühn-Müllender und Dagmar Steinmetz erfahren, was tiergestützte
Seelsorgearbeit bedeutet.
Von Alexander Schneider
Neu-Anspach.
Die 15 Jungen und Mädchen der Klassen 5, 6, 9 und 10 hatten an den
jährlichen Reflexionstagen teilgenommen und waren dazu zu einem
alternativen Pferdehof in Hohenroda/Rhön aufgebrochen. Sie lernten dort
eine eindeutige Körpersprache sowie sichereres Auftreten und mehr
Selbstvertrauen im Umgang mit Tieren. Finanziell unterstützt wurde das
Projekt durch den Grävenwiesbacher Taxi-Betrieb Knöpp, der den
Transport der Kinder übernommen hatte, sowie das Evangelische Dekanat
Hochtaunus und den Förderverein der ARS.
Im Mittelpunkt stand der
Umgang mit und das artgerechte Reiten nach dem Ansatz des „natural
horsemanship", das den Kindern in den drei Tagen in Grundzügen
vermittelt wurde. „Natural horsemanship" bestimmt die vom Instinkt
geleitete Gemeinschaft zwischen Mensch und Pferd und vermittelt
Vertrauensübungen mit dem Pferd spielerisch. Dem Pferd wird
signalisiert, dass Menschen seine Freundschaft und seine Partnerschaft
anstreben. Dazu wird die von den Pferden praktizierte Körpersprache,
die aus Streicheln, Schubsen und Vertreiben besteht, erlernt und
benutzt. So wird in der Herde die Rangfrage geklärt, und wenn Menschen
als ranghohe Tiere bei diesem Spiel mitspielen und die Spiele gewinnen,
geht danach alles fast von selbst. Es funktionierte tatsächlich - und
zwar nicht nur gegenüber Pferden, sondern auch gegenüber Menschen und
Schulhündin Leyla.
Ziel war es nicht nur, das „Pferdeflüstern" zu
lernen, sondern diese Erkenntnisse auch anzuwenden auf die „kleine
Menschenherde". Die Tage waren durch Lerntagebucheinheiten
strukturiert, denn jedes Kind hatte ein von Andrea Kühn-Müllender
eigens für die Veranstaltung konzipiertes Lerntagebuch bekommen:
Gruppendynamische Elemente, Körperübungen, Reflexions- und
Konfliktmediationsrunden bestimmten den Ablauf Fotorallye,
Lagerfeuerabend mit Gitarrenmusik, Singen und ein Kino-Abend mit
vertiefenden Lehrfilmen förderten das Gemeinschaftserlebnis ebenso wie
Morgen- und Abschiedsrituale, durch die der Gruppenprozess gestaltet
und gefördert wurde.
Regeln müssen beachtet werden
Schulhündin Leyla hatte
ihren ersten mehrtägigen Einsatz und machte ihre Sache hervorragend.
Die Hündin bot sich als Entspannungspartnerin in Pausen und als
Spielkameradin an. Auch als Trainerin für die Kinder, die anfangs
eigentlich noch Angst vor Hunden hatten, machte sie einen Superjob.
Schon am zweiten Tag kugelten die Kids mit Leyla spielerisch herum.
Durch ihre Präsenz parallel zu der Arbeit mit den Pferden wurde immer
wieder spürbar, dass alle Teilnehmer des Projektes tatsächlich
Mitglieder einer „Herde" waren, in der es Regeln gibt, die beachtet und
gegebenenfalls neu verhandelt werden müssen. Die Rangordnung musste
geklärt sein, damit Konflikte bearbeitet werden konnten und die Balance
zwischen Streicheleinheiten geben und nehmen gefunden wurde.
Andrea
Kühn-Müllender danach: „Es war faszinierend zu beobachten, mit welchem
Lerneifer, Engagement und Konfliktlösungsbereitschaft alle bei der
Sache waren. Hier wurde durch gute Lernbedingungen die natürliche
Lernfreude von Kindern und Jugendlichen gefördert." Zum Erfolg
beigetragen hätten auch die beiden älteren Schülerinnen Venera Hashani
(Klasse 9) und Zarina Tölle (Klasse 10), die mit den
Schulseelsorgerinnen das Leitungsteam bildeten.